
Leukämie
Dieser Artikel behandelt die folgenden Themen:
Was ist Leukämie?
Wie häufig ist Leukämie und wie sind die Heilungschancen?
Wie entsteht Leukämie?
Unterschiede zwischen Leukämie bei Kindern und Erwachsenen
Hat die Leukämie Unterarten?
Was ist Leukämie?
Leukämie ist eine Krebsart, die das blutbildende System des Körpers betrifft – insbesondere die weißen Blutkörperchen, auch Leukozyten genannt. Der Name „Leukämie“ bedeutet „weißes Blut“ (griechisch: leukos = weiß, haima = Blut) und veranschaulicht das typische Merkmal der Krankheit: Im Blut findet sich ein Überschuss an weißen Blutzellen, die sich unkontrolliert vermehren, allerdings unreif sind und damit keine Funktion erfüllen können. Gleichzeitig ist nicht mehr genug Platz für die gesunden Blutzellen und die Funktion des Immunsystems wird beeinträchtigt. Diese Störung führt zu einer Reihe von Problemen:
- Infektanfälligkeit: Da die Leukozyten ihre Schutzfunktion nicht erfüllen können.
- Anämie: Weil die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark gestört ist.
- Blutungsneigung: Weil auch die Bildung von Blutplättchen (Thrombozyten) eingeschränkt ist.
Wie häufig ist Leukämie und wie sind die Heilungschancen?
Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern weltweit und macht in Österreich etwa 30 % aller Krebsdiagnosen bei Kindern unter 15 Jahren aus (Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister, Stand 09.01.2024). Dank moderner Therapien ist die Prognose insbesondere für Kinder sehr gut: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt hier mittlerweile bei fast 90 %. Dies ist ein großer Fortschritt, verglichen mit früheren Jahrzehnten.
Wie entsteht Leukämie?
Leukämie entsteht durch genetische Veränderungen in den sogenannten hämatopoetischen Stammzellen des Knochenmarks. Das sind jene Zellen, die für die Blutbildung zuständig sind. In einem gesunden Körper ist die Produktion von roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen streng geregelt, doch bei Leukämie ist diese Steuerung gestört. Die Zellen verlieren die Kontrolle über ihre Teilung und vermehren sich unaufhörlich. Statt gereifter Blutzellen entstehen unreife Zellen, oft als Blasten bezeichnet, die ihre eigentlichen Funktionen nicht erfüllen können. Sie sammeln sich im Knochenmark und im Blut an und verdrängen die normalen Blutzellen. Wegen dieser Verdrängung kommt es bei der Leukämie zu den typischen Symptomen, wie Blutarmut, Infektanfälligkeit und Blutungsneigung.
Unterschiede zwischen Leukämie bei Kindern und Erwachsenen
Grundsätzlich entsteht diese Art von Krebs sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen durch genetische Veränderungen. Es gibt dennoch einige wesentliche Unterschiede, sowohl in Bezug auf die Ursache, als auch auf die Häufigkeit der Leukämiearten und den Verlauf der Krankheit.
- Ursachen: Bei Kindern entstehen die genetische Veränderungen, die zu Leukämie führen, schon bei der Entwicklung im Mutterleib oder ganz früh im Leben ohne den Einfluss von äußerlichen Einwirkungen (e.g. kanzerogene Stoffe, UV Strahlung). Bei Erwachsenen hat die Umwelt einen viel größeren Einfluss, da sie diesen schon jahrzehntelang ausgesetzt sind. Wenn man noch genauer hinsieht, findet man aber auch unterschiede in den genetischen Ursachen: Bei Kindern sind oft Teile von Chromosomen vertauscht (Translokation), während bei Erwachsenen häufig Mutationen in einzelnen Genen betroffen sind.
- Häufigkeit: Bei Kindern ist die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) die häufigste Form, während bei Erwachsenen vor allem die akute myeloische Leukämie (AML) vorkommt. Auch chronische Leukämien wie die chronische lymphatische Leukämie (CLL) oder chronische myeloische Leukämie (CML) sind bei Erwachsenen häufiger.
- Krankheitsverlauf: Der Verlauf der Krankheit kann sich ebenfalls unterscheiden. Bei Erwachsenen kann die Leukämie aggressiver verlaufen als bei Kindern, besonders bei der AML. Bei Kindern, vor allem mit ALL, ist die Prognose oft besser, da die Heilungsraten deutlich höher sind.
Hat die Leukämie Unterarten?
Ja, die Leukämie hat verschiedene Unterarten. Sie werden danach eingeteilt, aus welchen Blutzellen sie entstehen. Zusätzlich unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Leukämien: Akute Leukämien entwickeln sich schnell und sind meist aggressiver, chronische Leukämien schreiten meist langsamer voran.
Daraus ergeben sich die vier häufigsten Formen von Leukämie:
- Akute lymphatische Leukämie (ALL): Bei der ALL entarten unreife Vorläuferzellen der Lymphozyten, also Zellen, die eigentlich Teil des Immunsystems werden sollten. Stattdessen vermehren sie sich schnell und verdrängen im Knochenmark gesunde Blutzellen.
- Akute myeloische Leukämie (AML): Bei der AML entarten unreife myeloische Vorläuferzellen, aus denen normalerweise bestimmte weiße Blutkörperchen, rote Blutkörperchen oder Blutplättchen entstehen. Diese Leukämiezellen sind biologisch oft sehr unterschiedlich und sprechen häufig weniger einheitlich auf Therapien an als ALL-Zellen.
- Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Bei der CLL sammeln sich veränderte, meist reifere Lymphozyten langsam im Blut, Knochenmark und in den Lymphknoten an. Die Zellen teilen sich oft weniger schnell als bei akuten Leukämien, sterben aber nicht wie normale Lymphozyten ab.
- Chronische myeloische Leukämie (CML): Bei der CML verändert sich eine myeloische Stammzelle durch eine typische genetische Veränderung, das sogenannte Philadelphia-Chromosom. Dadurch entstehen zu viele myeloische Blutzellen; die Erkrankung wächst meist langsam, kann aber in eine akute Phase übergehen. CML betrifft überwiegend Erwachsene.
