Wie Zusammenarbeit Innovation fördert… mit Florian Grebien
Kollaborationen sind in der Welt der Wissenschaft unerlässlich. Neben dem Austausch von Wissen und Technologien bieten sie auch wertvolle Einblicke in unterschiedliche kulturelle und methodische Ansätze der Forschung. Diese Ansicht vertritt unter anderem Florian Grebien, Principal Investigator (PI) der Forschungsgruppe für Biologie der pädiatrischen Leukämie von Onkoproteinen an der St. Anna Kinderkrebsforschung.
In der Welt der biomedizinischen Forschung gewinnt die Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Forschungsgruppen immer mehr an Bedeutung. Obwohl unterschiedliche Ansätze und Technologien die Zusammenarbeit herausfordernd machen können, sieht Florian Grebien gerade darin eine Chance, innovative Lösungen zu finden. Sein Team pflegt deshalb enge Kooperationen mit mehreren Gruppen innerhalb der St. Anna Kinderkrebsforschung. Ihr Ziel: Gemeinsam an den molekularen Mechanismen hämatologischer Malignome forschen.
Diese Zusammenarbeit zwischen den Gruppen ist für junge Forscher:innen ein idealer Weg, um ein Netzwerk aufzubauen. Wöchentliche Forschungsseminare und gemeinsame Laborbesprechungen bieten eine offene Atmosphäre, bei der der Austausch und das Kontakteknüpfen zwischen Kolleg:innen gefördert wird. Generell hat Grebien einen klaren Rat für angehende Krebsforscher:innen: „Warte nicht darauf, dass dein PI dich jemandem vorstellt, sondern gehe selbst aktiv auf andere Wissenschafter:innen zu. Jeder Wissenschafter liebt es über seine Forschung zu sprechen – sei nicht schüchtern!“
Inwiefern spielen interdisziplinäre Zusammenarbeit und Wissensaustausch eine Rolle in Ihrer Forschung?
Der Wissensaustausch ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Forschungsprogramms. Seitdem ich meine unabhängige Karriere begonnen habe, habe ich aktiv an Kooperationen teilgenommen, und diese waren immer äußerst bereichernd. Kollaborationen sind nicht nur wichtig für den Austausch von Reagenzien, Technologien und Wissen, sondern sie bieten auch Einblicke in andere Kulturen und Strategien der Forschung, was sehr interessant sein kann. Interdisziplinäre Kollaborationen gewinnen in letzter Zeit zunehmend an Bedeutung. Während ich diese Art von Zusammenarbeit besonders spannend finde, sind sie auch herausfordernd, da Forscher:innen aus verschiedenen Bereichen oft sehr unterschiedliche Ansätze verwenden, die nicht immer leicht zu integrieren sind.
Inwiefern hat sich die Bedeutung der Zusammenarbeit aufgrund des technologischen Fortschritts verändert?
Der zunehmende Grad der Spezialisierung in der biomedizinischen Forschung macht Kollaborationen zentral und notwendig für jedes originelle und erfolgreiche Forschungsprojekt. Ohne sie könnten wir nicht mit dem Tempo Schritt halten, mit dem neue Technologien entwickelt werden, und wir müssen immer danach trachten, unser Forschungsprogramm mit den technologischen Fortschritten abzustimmen, da dies ein Schlüsselbereich der biomedizinischen Forschung ist.
Welche konkreten Projekte oder Forschungsthemen verbinden Sie und Ihre Forschungsgruppe mit anderen Gruppen innerhalb der St. Anna Kinderkrebsforschung?
Innerhalb der St. Anna Kinderkrebsforschung arbeiten wir sehr eng mit den Gruppen von Kaan Boztug, Michael Dworzak und Davide Seruggia, und zusammen, da wir ein gemeinsames Interesse an hämatologischen Malignomen und deren molekularen Mechanismen teilen. Darüber hinaus genieße ich Diskussionen mit Heinrich Kovar und Eleni Tomazou, da sie an verwandten Aspekten in einem anderen Krebs-Kontext arbeiten. Es ist interessant zu sehen, wie Forscher in verschiedenen Bereichen ähnliche Fragen angehen.
Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen?
Ich schätze, dass innerhalb der St. Anna Kinderkrebsforschung jede:r PI die Hingabe und Begeisterung teilt, um ein besseres Verständnis von pädiatrischen Krebserkrankungen zu erlangen. Genau so werden wir dazu beitragen, bessere Therapien in der Zukunft zu entwickeln. Darüber hinaus inspiriert mich der translational/klinische Hintergrund einiger Gruppen an der St. Anna Kinderkrebsforschung dazu, neue Probleme zu identifizieren, die es wert sind, angegangen zu werden.
Was sind Ihre Tipps für junge Forscher, die sich gerade erst ein Netzwerk aufbauen müssen?
Der wichtigste Rat, den ich jungen Forscher:innen geben kann, ist, aktiv auf andere Wissenschafter:innen zuzugehen. Jeder Forscher spricht gerne über seine Arbeit. Warte nicht darauf, dass dein PI oder jemand anders eine Verbindung herstellt – tue es selbst! Sei nicht schüchtern! An der St. Anna Kinderkrebsforschung gibt es zahlreiche Möglichkeiten dazu, wie beispielsweise das wöchentliche Forschungsseminar am Mittwoch oder gemeinsame Laborbesprechungen, die von verschiedenen Gruppen organisiert werden. Zudem ist das Gebäude klein, was Interaktionen erleichtert.
Wie würden Sie die Bedeutung von internationalen Kooperationen für den Erfolg Ihrer Forschungsgruppe einschätzen?
Im Rückblick kann man die Bedeutung unserer internationalen Kooperationen für den Erfolg meiner Forschungsgruppe nicht hoch genug einschätzen. Viele langjährige Interaktionen, Publikationen, Förderanträge und andere gemeinsame Aktivitäten begannen mit einem Gespräch mit einem Fremden während einer Kaffeepause auf einer Konferenz. Ohne diese Interaktionen hätte ich das gleiche nicht erreichen können.
Mit welchen anderen nationalen oder internationalen Forschungsinstituten arbeiten Sie im Rahmen Ihrer Forschungsaktivitäten zusammen?
Wir pflegen viele Kooperationen mit anderen akademischen Einrichtungen in Österreich und darüber hinaus. Im Raum Wien sind unsere wichtigsten Partner die Medizinische Universität Wien, das CeMM und das IMP.