St. Anna – Studienergebnisse bei der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie

(Wien, 12.12.2022) Univ.-Prof. Dr. Christina Peters vom St. Anna Kinderspital und der St. Anna Kinderkrebsforschung stellt auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) neue Studiendaten vor. Diese zeigen einen dringenden Bedarf an Immuntherapiestrategien zur Bekämpfung der akuten lymphoblastischen Hochrisiko-Leukämie (ALL) bei Kindern unter vier Jahren auf.

Säuglinge und Kleinkinder mit Hochrisiko-ALL, die nach einer vorbereitenden Chemotherapie eine Stammzelltransplantation erhalten, haben eine schlechtere Überlebenschance als Kinder im Alter von über 4 Jahren. Das ist das Ergebnis eines Berichts, der 194 Patient:innen aus der prospektiven FORUM-Studie umfasst. Insbesondere eine genetische Veränderung in Leukämiezellen, das so genannte „KMT2A-Rearrangement“, das bei 53 Patient:innen auftrat, wirkte sich negativ auf das Überleben aus. Allerdings war die Sterblichkeit, die nicht mit Rückfällen verbunden war, in dieser Analyse im Vergleich zu früheren Ergebnissen geringer, was eine Verbesserung darstellt. 

„In Anbetracht dieser Ergebnisse benötigen wir dringend immuntherapeutische Strategien vor und nach der Transplantation, um Rückfälle zu reduzieren, ohne die mit der Chemotherapie verbundenen Komplikationen zu erhöhen“, betont Christina Peters. (Peters et al., Abstract 370, https://ash.confex.com/ash/2022/webprogram/Paper168609.html )

Eine weitere Analyse der FORUM-Studie, die von Jean-Hugues Dalle vom Robert-Debré-Hospital (Paris) vorgestellt wurde, zeigt, dass Kinder mit Hochrisiko-ALL, die eine Stammzelltransplantation von passenden, nicht verwandten Spender:innen erhalten bessere Therapieergebnisse hatten, als Kinder mit passenden Geschwisterspender:innen. Das Überleben nach drei Jahren war in der Gruppe der passenden, nicht-verwandten Spender:innen signifikant länger (p=0,041). In beiden Gruppen kam es etwa gleich häufig zu einer akuten Abstoßungsreaktion gegen die Spenderzellen, aber eine chronische Abstoßungsreaktion war bei den Geschwisterspender:innen häufiger (kumulative 3-Jahres-Inzidenz; p=0,07). 

„Die größere immungenetische Ungleichheit bei den passenden nicht-verwandten Spender-Empfänger-Paaren verringert das Risiko eines Krankheitsrezidivs, während der Einsatz einer Serotherapie das Auftreten einer chronischen Abstoßungsreaktion verhindert“, schlussfolgert Jean-Hugues Dalle.  (Dalle et al., Abstract 372, https://ash.confex.com/ash/2022/webprogram/Paper164735.html )

Franco Locatelli vom Ospedale Pediatrico Bambino Gesù (Rom) präsentiert ein Update, das die Ergebnisse der FORUM-Studie nach einer längeren Nachbeobachtungszeit bestätigt. Demnach ist die Ganzkörperbestrahlung in Kombination mit Etoposid vor einer Stammzelltransplantation bei Kindern mit Hochrisiko-ALL mit besseren Ergebnissen verbunden als eine vorbereitende Chemotherapie. Die besseren Überlebensergebnisse bei der Ganzkörperbestrahlung sind hauptsächlich auf das geringere Risiko eines Leukämierezidivs zurückzuführen. (Locatelli et al., Poster Abstract 2122, https://ash.confex.com/ash/2022/webprogram/Paper166048.html )

Mit mehr als 15.000 Teilnehmer:innen ist die Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie der weltweit größte Hämato-Onkologiekongress. Heuer findet die Tagung vom 10.-13. Dezember in New Orleans statt. >>https://www.hematology.org/meetings/annual-meeting

FORUM-Studie >> https://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.20.02529

Frontiers in Pediatrics Sammelband zur Stammzelltransplantation bei Kindern mit Leukämie >> https://bit.ly/3TBCpoT